Mieten oder Kaufen: Welche Annahmen das Ergebnis wirklich verändern

2026-07-18

1.200 € Kaltmiete gegen 1.257 € Kreditrate ist kein vollständiger Vergleich. Tilgung erhöht das Eigenkapital, Zinsen sind Kosten; Eigentümer tragen zusätzlich Kaufnebenkosten, Grundsteuer, nicht umlagefähiges Hausgeld, Versicherung, Instandhaltung und Verkauf. Mieter behalten ihr Anfangskapital, tragen aber Mietsteigerungen und Umzugsrisiken.

In Deutschland entscheiden Bundesland, Maklervertrag, WEG-Unterlagen, Zinsbindung und Objektzustand stärker als eine bundesweite Faustregel. Eine belastbare Rechnung zeigt deshalb, bei welcher Haltedauer, welchem Anschlusszins und welchem Instandhaltungsbedarf das Ergebnis kippt.

Kurzantwort

Mieten oder Kaufen lässt sich nicht durch Kaltmiete gegen Kreditrate entscheiden. Vergleichen Sie gleichwertige Wohnungen, legen Sie die Haltedauer fest und trennen Sie Zinsen von Tilgung. Hinzu kommen Kauf- und Verkaufskosten, Grundsteuer, Hausgeld, Versicherung und Instandhaltung sowie Mietsteigerung, Wertentwicklung und entgangene Rendite des Eigenkapitals. Kippt das Ergebnis bei einer kleinen Änderung, ist es finanziell nicht robust.

Diese Angaben brauchen Sie

  • Kaufpreis und Miete vergleichbarer Objekte nach Lage, Größe und Zustand
  • Geplante Haltedauer, Kreditlaufzeit und Zinsbindung
  • Eigenkapital, Sollzins, effektiver Jahreszins und Finanzierungsentgelte
  • Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Makler und spätere Verkaufskosten
  • Nicht umlagefähiges Hausgeld, Grundsteuer, Versicherung und Instandhaltung
  • Mietsteigerung, Wertentwicklung und alternative Rendite des Eigenkapitals

Formel

Netto-Kaufkosten nach N Jahren ≈ Kaufnebenkosten + Kreditzinsen + Steuern/Versicherung/Hausgeld/Instandhaltung + Verkaufskosten − Wertzuwachs + entgangener Ertrag des Anfangskapitals; Nettomietkosten ≈ kumulierte Miete und Mieterkosten

Rechenbeispiel

Beispiel über zehn Jahre: 350.000 € Kaufpreis, 70.000 € Eigenkapital, 35.000 € Kaufnebenkosten, 30-jähriges Darlehen zu 3,5 %, 4.500 € Eigentümerkosten pro Jahr, 1 % Wertzuwachs, 4,5 % Verkaufskosten und 4 % Alternativrendite. Zinsen rund 87.674 €, Wertzuwachs 36.618 €, Verkauf 17.398 € und entgangener Ertrag 50.426 € ergeben geschätzte Netto-Kaufkosten von 198.880 €. Eine Miete von 1.200 € mit 2 % Steigerung summiert sich auf 157.676 €; Mieten liegt im Szenario rund 41.204 € niedriger. Das ist keine Prognose.

Sensitivitätsprüfung

Szenario Geänderte Annahme Ergebnis
Basisfall 10 Jahre; Zins 3,5%; Wertzuwachs 1% Mieten rund 41.204 € niedriger
Kürzere Haltedauer 5 Jahre; sonst unverändert Mieten rund 50.602 € niedriger
Niedrigerer Zins 2,75% statt 3,5% Mieten rund 21.534 € niedriger
Kein Wertzuwachs 0% statt 1% Mieten rund 76.174 € niedriger

Englischen Rechner öffnen und Annahmen testen

Grenzen der Rechnung

  • Alle Prozentsätze sind transparente Beispielwerte und keine Vorhersage für Bauzinsen, Mieten, Immobilienpreise oder Kapitalanlagen.
  • Bundesland, Maklervertrag, Objektart, WEG-Unterlagen, Sanierungsbedarf, Zinsbindung, Anschlussfinanzierung und Steuern verändern die Kosten.
  • Der aktuelle Rechner fasst Eigentümerkosten vereinfacht zusammen. Er ersetzt weder Kreditangebot und Haushaltsrechnung noch Finanzierungs-, Steuer-, Rechts- oder Immobilienberatung.

Quellen und Prüfung

Zuletzt geprüft:

Vergleichsmiete für dasselbe Wohnniveau ermitteln

Gleichen Sie Lage, Wohnfläche, Zustand, Stellplatz, Energieeffizienz und Arbeitsweg ab. Wer eine größere Immobilie kauft als mietet, bewertet zugleich mehr Wohnraum. Dieser Mehrwert kann sinnvoll sein, darf aber nicht als Renditevorteil der Eigentumsform erscheinen.

Trennen Sie Kaltmiete, umlagefähige Nebenkosten und Kosten, die in beiden Fällen anfallen. Beim Hausgeld gehört nur der nicht umlagefähige Anteil samt Zuführung zur Erhaltungsrücklage auf die Eigentümerseite. So werden Heizung oder Wasser nicht doppelt gezählt.

Zinsbindung, Tilgung und Restschuld getrennt modellieren

Erfassen Sie Sollzins, effektiven Jahreszins, anfängliche Tilgung, Zinsbindung, Sondertilgungen und Entgelte aus dem konkreten Angebot. Für die Haushaltsbelastung zählt die volle Rate; als Kosten zählt der Zins. Zum geplanten Verkaufszeitpunkt wird die Restschuld vom Erlös abgezogen.

Endet die Zinsbindung vor der Haltedauer, rechnen Sie nicht still mit dem heutigen Zins weiter. Testen Sie eine Anschlussfinanzierung mit niedrigerem, gleichem und höherem Satz. Eine tragbare Anfangsrate kann sich bei hoher Restschuld deutlich verändern.

Kaufnebenkosten und WEG-Risiken konkret erfassen

Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und Makler hängen von Bundesland und Vertrag ab. Spätere Verkaufskosten, Umzug und mögliche Vorfälligkeitskosten gehören an das Ende des Szenarios. Verwenden Sie Angebote und Vertragsentwürfe statt eines einheitlichen Prozentsatzes.

Bei einer Eigentumswohnung sind Wirtschaftsplan, Jahresabrechnung, Beschlusssammlung, Rücklage und geplante Sanierungen zentral. Dach, Fassade oder Heizung verteilen sich nicht gleichmäßig über jedes Jahr. Freiwillige Modernisierung für den eigenen Geschmack bleibt getrennt von notwendiger Instandhaltung.

Wertentwicklung und Eigenkapitalrendite als Spanne testen

Rechnen Sie mindestens mit fallendem, stabilem und steigendem Immobilienwert. Ziehen Sie Verkaufskosten vom künftigen Erlös ab. Für das Eigenkapital des Mieters verwenden Sie nur eine Anlage, die Sie mit passendem Risiko tatsächlich halten würden; historische Höchstrenditen sind keine sichere Alternative.

Schreiben Sie das Ergebnis als Bedingung: «Kaufen liegt nur unter Mieten, wenn ich zehn Jahre bleibe und die Instandhaltung X nicht überschreitet». Kippt die Rechnung bei kleinen Änderungen, gibt es keinen robusten finanziellen Sieger. Dann sind Liquidität, Mobilität, Planungssicherheit und Gestaltungsfreiheit bewusst gegen die Kostenspanne abzuwägen.

Allgemeines Bildungsmodell. Prüfen Sie Kreditangebot, Steuern, WEG-Unterlagen, Verträge und Kosten mit qualifizierten Stellen. WorthCalc verarbeitet Eingaben lokal im Browser.

Häufige Fragen

Welche Annahmen verändern Mieten oder Kaufen am stärksten?
Haltedauer, Sollzins, Kauf- und Verkaufskosten, nicht umlagefähiges Hausgeld, Instandhaltung, Vergleichsmiete, Wertentwicklung und die alternative Rendite des Eigenkapitals.
Darf ich Kaltmiete und volle Kreditrate vergleichen?
Nein. Tilgung baut Eigenkapital auf, Zinsen sind Kosten. Zusätzlich gehören Grundsteuer, Versicherung, Hausgeld, Instandhaltung und Transaktionskosten in den Kauf-Fall; die Mietseite braucht vergleichbare Mieterkosten.
Welche Kaufnebenkosten muss ich erfassen?
Verwenden Sie die konkreten Beträge für Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Makler und Finanzierung. Die Höhe hängt von Bundesland, Vertrag und Objekt ab; ein pauschaler Wert kann die Entscheidung drehen.
Wie berücksichtige ich die Anschlussfinanzierung?
Lassen Sie den heutigen Sollzins nur bis zum Ende der Zinsbindung gelten und testen Sie danach höhere und niedrigere Anschlusszinsen. Prüfen Sie zugleich Restschuld und tragbare Rate.
Ist das Rechenbeispiel eine Preisprognose?
Nein. Es zeigt Cashflows mit frei gewählten Annahmen. Testen Sie fallende, stabile und steigende Preise sowie mehrere Renditen und Haltedauern.